Dies wird der erste Teil einer längeren Serie an Informationen rund um Rasiermesser, deren Instandhaltung und Instandsetzung. In den nächsten Monaten wird es hier im Blog auch um verschiedene Messer, (Restaurations-)Techniken, Schärfsteine und vieles mehr gehen. Manche der Infos wurden schon früher im Forum von www.gut-rasiert.de veröffentlicht, dennoch möchte ich sie auch an dieser Stelle – aktualisiert – sammeln.

Doch nun zu den japanischen Rasiermessern, um die es heute gehen soll:

1: Mythen und Wahrheiten

Viele Mythen ranken sich um die japanischen Rasiermesser, auch Kamisori genannt.

  • Diese Messer sind nur auf einer Seite geschliffen: Dies ist falsch, diese Messer sind – auch, wenn sich die Forum grundlegend vom europäischen Aufbau unterscheidet – beidseitig geschliffen.
  • Die Messer werden nur auf einer Seite verwendet, mit der Aufschrift-Seite zum Gesicht: Dies ist prinzipiell richtig, einer Verwendung von beiden Seiten spricht aber nichts dagegen und funktioniert sehr gut
  • Die Messer müssen nicht abgezogen werden: Eine weitere Halbwahrheit, die nicht stimmt. Die japanischen Rasiermesser werden ebenfalls vor der Rasur auf einem Lederriemen abgezogen. Zum Abziehen kann auch die Weichholzbox verwendet werden, in der die meisten Messer geliefert werden.
  • Die Messer mit blauen Griffen sind industriell gefertigt: Ebenso falsch. Es GIBT keine industriell gefertigten, traditionellen japanischen Rasiermesser. Diese Messer werden alle von handwerklich hochbegabten (Schwert-)Schmieden(-meistern) in aufwändiger Handarbeit gefertigt.
  • Die Messer mit blauen Griffen sind von Tosuke gefertigt: Ebenfalls eine (wenn auch nur teilweise) Unwahrheit. Wahr ist, Meister Tosuke hat angefangen, seinen Messern diese hässlichen, aber praktischen Griffe zu verpassen. Er fertigte (wie in Japan üblich) auch Messer für Geschäfte und versah diese mit dem Namen des Auftragsgebers. Diese Messer sind von ihm. Diese Gummigriffe werden seit seinem Tod aber auch von anderen Schwertschmieden verwendet – sicheren Aufschluss auf den Hersteller kann aus heutiger Sicht nur das Alter der Messer und/oder eine Analyse der japanischen Schriftzeichen geben!
  • Rasiermesser sind aus Tamahagane: Falsch. Es gibt meines Wissens nach nur einen Hersteller von Klingen aus Tamahagane-Stahl und das ist Iwasaki bzw. sein Sohn und dessen Schüler. Iwasaki ist ein bedeutender Meister seiner Zunft – er hat das Verfahren, aus Tamahagane Rasiermesser zu fertigen, entwickelt. In der Qualität stehen die Schwedenstahlmesser denen aus Tamahagane aber um nichts nach – eher sogar im Gegenteil.
  • Japanische Rasiermesser bestehen aus zwei verschiedenen Stählen: Dies ist richtig, die Klinge selbst ist aus sehr hartem (62-64HRC) Stahl, Griff und Messerrücken sind aus weicherem Stahl. Oft sind am Übergang zwischen den Stahlsorten Risse zu sehen, dies bedeutet aber keine Qualitätsminderung sondern weist auf die handwerkliche Fertigung dieser Messer hin.