Teil 2: Das Schärfen

Traditionell werden für japanische Rasiermesser japanische Natursteine empfohlen. Da diese aber sehr teuer und kaum zu bekommen sind, brauchen wir Alternativen.
Noch eine Anmerkung: Japanische Rasiermesser brauchen eine ruhige Hand und Vorwissen. Wer noch nie ein Rasiermesser geschärft hat, sollte sich nicht gleich an den Japanern versuchen. Lieber das Messer zu einem erfahrenen Rasiermesserschärfer (ihr könnt auch gerne mich fragen) schicken.

Anhaltspunkte:
- Japanische Schleifsteine mögen “langsame”, nicht zu aggressive Steine
- Synthetische Steine der Kategorie 10.000 und 12.000 funktionieren, sind aber kein Muss
- optimal sind japanische Natur-Feinabziehsteine (z.B. ein Nakayama mit Nihon Kamisori-Stempel)
- durch seine Langsamigkeit ist hier gerade der Manufaktum- oder ein Vorkriegsthüringer ein exzellenter Polierstein für den Feinabzug
- Ein Beispiel für eine gut funktionierende Steinaufstellung: 1000er Japaner (synth.) – 4000er Japaner (synth.) – Blauer Belgischer Brocken – Gelber Belgischer Brocken (diesen vorsichtig verwenden und mit geringem Druck) – Feinabzug auf einem Thüringer
- Sehr gut bekommen diesen Messern Pastenleder. NICHT zu empfehlen sind Diamantpasten, diese sind zu aggressiv. Chromoxid, eventuell gefolgt von Eisenoxid, stellt das Optimum dar.

Wie werden diese Messer geschärft?
Man immer wieder davon, dass die Messer in einem Verhältnis von 3:2 abgezogen werden – Drei Schübe hin- und zurück (jawohl, ziehen und schieben!) auf der geraden, 2 Schübe hin und zurück auf der gehohlten Seite. Dies kann man so eng sehen, muss man aber nicht – sogar die Japaner widersprechen sich in den Angaben. Sicher nichts falsch macht, wer die Messer wie jedes andere auch schärft. Hier ein paar Anhaltspunkte:

- Auf dem 1000er und 4000er sowie auf aggressiven Steinen wie dem GBB nur normale Schübe, keine Züge, sonst bildet sich ein “Burr” genannter Schleifgrat von überstehendem Material aus, der unerwünscht ist.
- Auf den feineren und sanfteren Steinen ebenfalls “normal” schieben und manchmal (alle 4-5 Schübe oder so) einen Zug einbauen
- generell etwas mehr Druck verwenden als bei europäischen Rasiermessern
- Mit dem Chromoxid vorsichtig umgehen, 5-10 Züge sollten ausreichen. Der Haartest kommt bei diesen Messern normalerweise schon nach dem feinsten Stein
- Ganz normal ledern
- sich über die Schärfe freuen ;)