Vorwort zu japanischen Natursteinen:

Japanische Natursteine sind von Stein zu Stein unterschiedlich – keine zwei gleichen sich, und das ist die Schwierigkeit, warum ich von Impulskäufen abrate. Nur wer weiß, worauf er sich einlässt, sollte den Weg des Schärfens mit japanischen Natursteinen beschreiten – es gibt einfachere und schnellere Methoden, die Messer zu schärfen!
Japanische Natursteine braucht man gar nicht versuchen, in Europa in nicht-spezialisierten Handlungen zu kaufen. Spätestens, wenn man die Frage stellt, ob die jetzt für Weiß- oder Blaupapierstahl geeignet sind, steigt jeder Händler aus. Sogar eine bekannte Versandhandelsfirma für Werkzeuge empfiehlt, diese Steine vor Gebrauch zu wässern oder gar gleich komplett in Wasser zu lagern. Wer diesen Rat befolgt, wird in ein paar Jahren keinen Stein mehr, sondern einen desintegrierten, zerbröselten Schlammbrocken besitzen. Japanische Natursteine werden vor Gebrauch nur mit etwas Wasser benetzt und hinterher gut getrocknet. Oft benutzte Steine werden in Japan gar an den Seiten lackiert, um sie zu stützen und vor übermäßiger Wasseraufnahme zu schützen.

Man muss also Glück haben und einen erfahrenen Europäer erwischen oder auf japanische Sammler zurückgreifen, die jeden Stein kennen. Sehr empfehlenswerte Quellen sind Shou Honyama und Japan Tool. So weit zur Vorrede.

Der Nakayama Maruichi Maruka Nihon Kamisori

Hat man auf den vorhergehenden Steinen (empfehlenswert sind feinere japanische Natursteine, es kann aber auch ein Thüringer, Escher, Gelber Belgischer Brocken, Chinesischer 12k oder ein synthetischer Stein dieser Kategorie sein) sauber gearbeitet, kommt bei mir beim Schärfen von Rasiermessern der König der japanischen Natursteine (zumindest für unsere Anwendungen) zum Einsatz: Ein Nakayama Maruichi Maruka mit Nihon Kamisori-Stempel sowie Nashiji-Aussehen. Klartext: Er kommt aus der Mine, die welche der härtesten und feinsten Natursteine produziert hat – dieser Stein wird in etwa um die Zeit des 2. Weltkrieges herum abgebaut worden sein. Der Stein kommt noch von der vorletzten, hochangesehenen Besitzerfamilie von Kato. Dies zeigt der „Maru-Ka“ Stempel an. „Maru“ bedeutet Kreis, „Ka“ ist das erste Zeichen im Familiennamen. Der „Nihon Kamisori“-Stempel bedeutet, dass er für japanische Rasiermesser geeignet ist – diese Stempel bekommen nur die besten Steine ihrer Art, die für den Stahl von Rasiermessern geeignet sind. „Nashiji“ bedeutet „Birnenhaut“ – der Stein ist mit Sprinklern übersät (wie Birnen eben) und sieht nass absolut wunderhübsch aus. Die Körnung wird normalerweise in Regionen von 20000-40000 angesetzt, kann aber auch noch feiner sein…

Dieser Stein ist extrem hart. Je nach Messer 100-150 Schübe darauf unter höchster Achtsamkeit sind Pflicht. Danach der Haartest, der offenbart, ob man auf den vorhergehenden Steinen sauber gearbeitet hat. War man auf den vorhergehenden Steinen nachlässig, haut er nicht so recht hin. War man aber sorgfältig, so funktioniert der Haartest ohne wenn und aber in 1cm Höhe vom Stein weg.

Dieser Stein produziert eine extrem feine Schneide, die eigentlich nur mehr geledert werden muss und schon kann man losrasieren. Einem Einsatz von Chromoxid- und/oder Eisenoxidriemen nach dem Stein spricht aber nichts entgegen. Der Ansatz bei der Rasur ist butterweich, das Rasurergebnis – ein gutes Messer vorausgesetzt – traumhaft glatt.

Text (hier erweitert erschienen) zuerst veröffentlicht in: http://www.gut-rasiert.de/forum/index.php?topic=1759.0