Immer wieder stolperte ich in den diversen Rasurforen über Bilder von Klingen, die mit dem Mikroskop erstellt wurden. Seit Montag hat Aldi Süd in Deutschland ein Angebot mit einem USB-Mikroskop laufen, bei dem ich zuschlagen musste. Das Mikroskop bietet 10x, 60x und 200x-Vergrößerung. Die Qualität ist ausreichend, in den geringeren Vergrößerungen ist sie gut, bei 200x verwaschen die Bilder zusehends. Ein weiteres Problem ist die schwache, unidirektionale Lichtquelle. Aber für den Preis ganz okay.

Um das neue Gerät einzuweihen, dokumentierte ich damit den Schärfvorgang eines Rasiermessers, mit teilweise (für mich) hilfreichen Erkenntnissen, die ich mit euch teilen möchte:

Hier das Aldi-Mikroskop. Die Auflagefläche wurde mit dunklem Stoff verdeckt, um störendes Streulicht zu minimieren

Hier das Aldi-Mikroskop. Die Auflagefläche wurde mit dunklem Stoff verdeckt, um störendes Streulicht zu minimieren.

Das Opfer, ein "Mc Lellan's second to none" aus Sheffield, das ich für einen Italiener aufbereitete. Hier gezeigt nach dem Entrosten und (Spiegel-)polieren

Das Opfer, ein "Mc Lellan's second to none" aus Sheffield, das ich für einen Italiener aufbereitete. Hier gezeigt nach dem Entrosten und (Spiegel-)polieren.

Aufnahme der Schneide vor der Neuschärfung

Aufnahme der Schneide vor der Neuschärfung.

Und los ging es auf den Steinen:

Typisches Schliffbild, sehr rau, deutliche Sägezähnchen.

1.) Naniwa 1000er: Typisches Schliffbild, sehr rau, deutliche Sägezähnchen.

Dieser Stein war ein Fehleinsatz. Der King 4000er wäre besser gewesen für den Erstabzug. Man sieht deutlich, wie der BBB noch mit dien Riefen des 1000ers zu kämpfen hat. Die Mikrozähnchen konnte er noch nicht erfolgreich bekämpfen

2.) Blauer Belgischer Brocken: Dieser Stein war ein Fehleinsatz. Der King 4000er wäre besser gewesen für den Erstabzug. Man sieht deutlich, wie der BBB noch mit dien Riefen des 1000ers zu kämpfen hat. Die Mikrozähnchen konnte er noch nicht erfolgreich bekämpfen.

Dieser Stein ging richtig zur Sache und es erfolgte eine gute Erstpolitur der Schneide, die Sägezähnchen wurden geringer

3.) Gelber Belgischer Brocken: Dieser Stein ging richtig zur Sache und es erfolgte eine gute Erstpolitur der Schneide, die Sägezähnchen wurden geringer.

Dieser Stein zeigte nach dem GBB nur geringe Wirkung, er kann also weggelassen werden oder statt dem GBB eingesetzt werden. Der Stein wurde nicht angerieben, vielleicht wäre er mit Schleifschlamm effektiver gewesen.

4.) Gelb/Grüner Vorkriegsthüringer: Dieser Stein zeigte nach dem GBB eine dien Grat glättende Wirkung, die Linie ist schon fast durchgängig.

5.) 12.000 Chinesischer Naturstein: Dieser Stein zeigt seine Wirkung in einer weiteren Reduktion der Mikrozähnchen und einer stärkeren Politur der Facette, zerstörte aber die durchgängige Linie (Grat) wieder etwas.

Der Nakayama zeigte in 130 Schüben seine Stärken. Er polierte die Facette noch weiter aus und reduzierte die Mikrozähnchen, was zu einer feinen Grat-Linie führte

6.) Nakayama Nihon Kamisori: Dieser zeigte in 130 Schüben seine Stärken. Er polierte die Facette noch weiter aus und reduzierte die Mikrozähnchen, was zu einer feinen Grat-Linie führte.

50 Züge nach dem Pferdeleder später sah die Facette so aus, es zeigte sich schon ein rasurfertiger, durchgehender Grat

7.) 50 Züge nach dem Pferdeleder später sah die Facette so aus, es zeigte sich schon ein rasurfertiger, durchgehender Grat.

Um im Mikroskop zu sehen, wie sich Chromoxid auf die Facette auswirkt, gab ich dem Messer 15 Züge

8.) Um im Mikroskop zu sehen, wie sich Chromoxid auf die Facette auswirkt, gab ich dem Messer 15 Züge.

Noch 20 Züge auf dem Eisenoxid-Riemen

9.) Noch 20 Züge auf dem Eisenoxid-Riemen.

Nach weiteren 70 Zügen auf dem Pferdelederriemen das Endergebnis, das (zumindest bei 200x-Vergrößerung) beweist, dass Pasten die Facette des extrem feinen Naturjapaners nicht mehr merklich verbessern/verfeinern können

10.) Nach weiteren 70 Zügen auf dem Pferdelederriemen das Endergebnis, das (zumindest bei 200x-Vergrößerung) beweist, dass Pasten die Facette des extrem feinen Naturjapaners nicht mehr merklich verbessern/verfeinern können. (Die Unterschiede zum Foto Leder nach dem Stein ergeben sich aus dem verschiedenen Abschnitt, der fotografiert wurde)

der "heilige Grat"

11.) Mit 60x-Vergrößerung sehr schön zu sehen: der "heilige Grat".

Fazit:

Unter Beobachtung des Schärfvorganges mit dem Mikroskop fand ich Folgendes heraus:

- Der BBB ist nach dem 1000er nicht unbedingt die erste Wahl (was frei mit dem Auge oder mit der 30x-Einschlaglupe nicht ersichtlich ist), der 4000er King ist hier der König.
- Der GBB erzeugt eine wesentlich feinere Facette als vermutet, diesen Stein hatte ich unterschätzt.
- Der gelb/grüne Vorkriegs-Thüringer erzeugte schon einen feinen Grat, der nur vom Nakayama getoppt wurde.
- Der Chinese reduzierte zwar die Mikrozähnchen und polierte noch weiter, die durchgehende Linie des Thüringers wurde also etwas gestört. Ich tippe demnach darauf, dass der Thüringer im Endeffekt feiner ist.
- Es konnte bildlich belegt werden, dass der Nakayama-Naturstein exzellente Ergebnisse liefert und eine durchgängige Facette, bei der der Lederriemen ausreicht. Pasten können dieses Ergebnis nicht mehr (wesentlich) verfeinern.